The Palliative Turn

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1 Robin Hinsch

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2-5, 8 und 9
Simon Blanck

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6 und 7
BKV Potsdam

Das Begleitprogramm mit Konzerten, Workshops, Performances und Vorträgen
Das Begleitprogramm zur Ausstellung „The Palliative Turn“ wurde kollektiv von den Künstlerinnen und Künstlern entwickelt und umfasst Konzerte, Workshops, Performances und Vorträge. Es greift verschiedene Aspekte medizinischer palliativer Praxis auf, um daraus Anregungen in die künstlerische Arbeit zu übernehmen, aber auch unser Verständnis von Tod und Sterben in Frage zu stellen – und zu diskutieren, was der Klimawandel und sie sinkende Lebenserwartung unserer Ökosysteme für die Gestaltung unserer Zukunft bedeuten.

Programm
zur Ausstellung "The Palliative Turn"


Samstag, 21. Oktober 2021
Per Hüttner
Duet with a Dying Plant - Duett mit einer sterbenden Pflanze
Performance

In seiner Performance verbindet Per Hüttner sowohl seine eigene Kopfoberfläche als auch die Blätter einer Zimmerpflanze mit Elektroden eines Elektroenzephalographen (EEG), mit dem in der Medizin gewöhnlich die elektrische Aktivität des Gehirns aufgezeichnet wird. Hüttner verwendet die gewonnenen Signale - dank der starken Signalverstärkung werden auch an der Pflanze Impulse erzeugt - als Klangmaterial für eine musikalische Performance. Über mehrere Stunden werden die Impulse in immer wieder neu variierte Raumklänge übersetzt und Performer und Pflanze bilden ein Duett.


Sonntag, 19. September 2021
17:00
Nala Tessloff und das UnSpoken Consort
Konzert

Nala Tessloff und das UnSpoken Consort präsentieren ein Programm, das seine Wurzeln in der Renaissance hat, einer Epoche also, in der die Stimme und die Weise, in der sie menschliche Affekte interpretiert, immer stärker in den Vordergrund trat. Es sind klassische Stücke des Repertoires aus dieser Zeit – etwa von Orlando di Lasso, Eustache du Caurroy, Josquin des Préz oder Carlo Gesualdo –, doch Nala Tessloff, die neben ihrer kompositorischen Arbeit auch als Studiosängerin, Performance-Künstlerin und Filmmusikerin tätig ist, hat die Madrigale und Fantasien mit eigenen Texten verfremdet und mit einer neuen Gesangsstimme und zusätzlicher elektronischer Bearbeitung in eine zeitgenössische Form verwandelt. Im Mittelpunkt steht nicht eine Auseinandersetzung mit dem 15. Und 16. Jahrhundert, sondern die Frage, was die Gefühlstönungen, die damals musikalisch so virtuos umspielt wurden, heute für uns bedeuten. Wie wir mit Geborgenheit, Trost und Traurigkeit umgehen, ist die experimentelle Frage dieses performativen Abends.

Mit Emilia Durka, Annalouise Falk, Hans Fröhlich - Blockflöte
Tommy Fields, Alma Stoye, Anna Lodone - Gambe
Nala Tessloff - Gesang, Text

Die Besucherzahl wird beschränkt sein. Frühzeitige Anmeldung empfehlenswert. Besucher:innen müssen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sein. Genauere Angaben teilen wir kurz vor der Veranstaltung auf unserer Webseite mit.


Donnerstag, 30. September 2021
17:00 – 19:00
Olav Westphalen
Mom Tattoo
Performance

Das Mom-Tattoo ist eine kulturelle Unmöglichkeit. Entstanden als Seemannssentimentalität ist es zum popkulturellen Kitsch und schließlich zur ödipalen Ironie und so als Karikatur wieder salonfähig geworden. Olav Westphalen, für den die Grenzüberschreitungen zwischen musealer Würde und ästhetischem Unglück, Hochkultur und Bricolage oder technischer Beherrschtheit und amateurhafter Ambition schon immer Gegenstand künstlerischer Forschung waren, überlässt in dieser Performance die künstlerische Autorität seiner Mutter. Sie hat das Tattoo entworfen und führt es vor Ort aus.

Die Besucherzahl für diese Veranstaltung ist auf 6 Personen beschränkt (Voranmeldung notwendig). Das Tragen einer FFP2-Maske ist erforderlich. Besucher:innen müssen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sein.


Freitag, 1. Oktober 2021
14:00 – 17:00
Annemarie Goldschmidt
Das Verhaltensbarometer
Workshop

In ihrem Workshop, der sich an die Vorstellung von einem ”Verhaltensbarometer” anlehnt – er greift auf das “ Behavioral Barometer” zurück, das Gordon Stokes, Daniel Whiteside und Candace Callaway 1985 in den USA entwickelt hatten – will die dänische Kinesiologin Annemarie Goldschmidt sich mit der Frage auseinandersetzen, wie die palliative Praxis von der Fokussierung auf den Sterbeprozess gelöst werden kann. Sie sieht das Sterben als Bestandteil unseres ganz alltäglichen Lebens, in dem eine palliative Perspektive dazu beitragen kann, Schmerzen zu mindern oder zu überwinden. ”Jeden Tag”, sagt Annemarie Goldschmidt, ”sterben in unserem Körper Zellen. Jeden Tag werden bis zum Ende unseres Lebens neue Zellen geschaffen. Jeden Tag erleben unser Unbewusstes und unser Körperbewusstsein in ihrer Tiefe Tod und Leben. Obwohl wir diesen Teil des Lebens nicht bewusst reflektieren, wissen wir davon.” Annemarie Goldschmidt ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet seit 1980 in der alternativen Medizin als spezialisierte Kinesiologin. Sie unterhält eine private Praxis und ist Gründerin der Schule für Kinesiologie in Kopenhagen.

Die Besucherzahl wird beschränkt sein. Frühzeitige Anmeldung empfehlenswert. Besucher:innen müssen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sein. Genauere Angaben teilen wir kurz vor der Veranstaltung auf unserer Webseite mit.


Samstag, 2. Oktober 2021
16:00 – 18:00
Lydia Roeder
Bilder aus einer anderen Welt – Das St. Joseph‘s Hospiz in Indien
Vortrag

Im Südosten Indiens liegt im Bundesstaat Tamil Nadu inmitten wilder Natur das Hospiz St. Joseph, das 2006 von dem aus Kerala stammenden katholischen Pater Thomas aufgebaut wurde. Es zählt zu den wenigen Hospizen, die es in Indien überhaupt gibt. Die Menschen, die dort aufgenommen werden, zählen überwiegend zum ärmsten Teil der Bevölkerung. Es gibt mehrere nach Geschlecht getrennte Schlafsäle mit je zwanzig bis dreißig Betten. Die Bewohner hinterlassen bei ihrer Aufnahme einen Fingerabdruck. Weitere Formalitäten gibt es nicht, verzeichnet wird neben dem Tag der Aufnahme nur noch der Zustand der Aufgenommenen – und später das Todesdatum, auch wenn sich einige Patienten wieder erholen und das Hospiz verlassen können. Lydia Röder ist in Deutschland seit über 20 Jahren in der Hospizarbeit tätig, hat Hospizdienste geleitet und bereitet in Workshops Laien ebenso wie beruflich mit dem Sterben befasste Menschen auf den Umgang mit dem Tod vor. In ihrem Vortrag berichtet sie über das St. Joseph’s Hospiz und ihre freiwillige palliative Arbeit an diesem Ort, in dem Einfachheit und Fürsorge gleichermaßen wahrnehmbar sind. Im Anschluss an den Vortrag, demonstriert Lydia Roeder den Gebrauch der Körpertambura.

Die Besucherzahl wird beschränkt sein. Frühzeitige Anmeldung empfehlenswert. Besucher:innen müssen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sein. Genauere Angaben teilen wir kurz vor der Veranstaltung auf unserer Webseite mit.


Samstag, 2. Oktober 2021
19:00-21:00
Dr. Keith Larson und Dr. med. Bernd Oliver Maier
Gespräch (in engl. Sprache)

Der Klimaforscher Keith Larson und der Internist und Palliativmediziner Bernd Oliver Maier haben auf sehr unterschiedliche Weise mit der Überbringung auch negativer Diagnosen ohne Aussicht auf Besserung zu tun. Larson ist nicht nur Forscher, sondern auch Kommunikator und Vermittler in einer Forschungseinrichtung, die über den menschlichen Einfluss auf unsere Ökosysteme aufklärt. Als Wissenschaftler sieht er aber auch die schwindenden Handlungsmöglichkeiten und weiß, dass selbst bei einem radikalen Kurswechsel in Politik und Wirtschaft keineswegs der Zustand vor dem Beginn der Klimaveränderungen wiederherzustellen wäre. Nichts wird wieder, wie es war. Es kommt, so Larson, mehr darauf an, die veränderte Situation so gut wie möglich zu nutzen. Bernd Oliver Maier ist Internist und als Hämatologe und Onkologe damit vertraut, Patienten auch über unheilbare Krankheitsverläufe zu informieren. Er bereitet Menschen darauf vor, mit der veränderten, häufig unerwartet zusammenschrumpfenden Lebenszeit umzugehen, den Blickwinkel darauf einzustellen und die Möglichkeiten zu nutzen. In ihrem Gespräch setzen sich Larson und Maier mit der Erfahrung auseinander, unerwünschte Botschaften zu übermitteln, Handlungsräume aufzuzeigen, aber auch behutsam Realismus in der Auseinandersetzung mit den Tatsachen einzufordern.

Dr. Keith Larson ist Klimaforscher am Zentrum für Klimafolgenforschung der Universität von Umeå in Schweden, er koordiniert die Forschung an der schwedischen Polarforschungsstation in Abisko, wo er auch lebt. Seine Forschungen konzentrieren sich zurzeit auf Langzeituntersuchungen an Pflanzen. Die „Zeitmaschinen“-Perspektive, wie er sie nennt, erlaubt Vorhersagen über unsere Zukunft als Menschen und unsere Ökosysteme. Dr. Bernd Oliver Maier ist Internist mit der Schwerpunktbezeichnung Hämatologie und Onkologie und Chefarzt für Palliativmedizin und interdisziplinäre Onkologie am St. Josefs-Hospital Wiesbaden, wo er für die Palliativversorgung verantwortlich ist. Er ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Die Besucherzahl wird beschränkt sein. Frühzeitige Anmeldung empfehlenswert. Besucher:innen müssen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sein. Genauere Angaben teilen wir kurz vor der Veranstaltung auf unserer Webseite mit.


Sonntag. 3. Oktober 2021
Dafna Maimon and Michael Norton
14:00 – 18:00
Kill your Darlings
Workshop

Diese Performative Partizipatorisch-Palliative Praxisübung (PPPP) wird gemeinsam von der Künstlerin Dafna Maimon und dem Dramaturgen und Produzenten Michael Norton geleitet. Sie geht von der Frage aus, was uns daran hindert, in einen Zustand des Lebendigseins einzutreten und wovon wir uns dafür trennen müssen – an uns selbst und der Einrichtung unseres Lebens. Mit Techniken der Bewusstwerdung und des Schauspielens identifiziert der Workshop Rollen, die unbewusst Furcht und Einschüchterung verbreiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erforschen die Helden, Opfer und Schurken, die in uns allen zu finden sind, wenn wir mit der Unausweichlichkeit des Todes konfrontiert werden. Der halbtägige Workshop entlehnt aus der palliativen Praxis Mittel, die es uns erleichtern können, den eigenen Tod vorauszugestalten, etwa indem wir uns vorstellen, wo und mit wem wir sterben wollen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind eingeladen, spielerisch Rollen zu erkennen und eine kurze theatralische Todesszene einzuüben, während ihre eingeübten Identitäten eine Pause machen.

Die Besucherzahl ist auf 10 Personen beschränkt (Voranmeldung notwendig). Das Tragen einer FFP2-Maske ist erforderlich. Besucher:innen müssen geimpft, genesen oder tagesaktuell negativ getestet sein.


Vorschau: Sonntag, 31. Oktober 2021:
Künstler:innen-Gespräch, Performance mit Carima Neusser, Performance im öffentlichen Stadtraum mit Carola Uehlken. Nähere Informationen und ein genaueres Programm geben wir Anfang Oktober bekannt.

Mittwoch, 18. August 2021