Bürgerliches Erfolgsmodell

Fotos 1, 2, 11, 12
BKV Potsdam / Gerrit Gohlke

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Jacques Rivet, Association Entre-deux (Nantes)

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Alexander Koch, Galerie KOW Berlin

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Romy Range

Europa-Treffen des Programms "Neue Auftraggeber"
Antibes, Frankreich - Vom 1. bis zum 2. Februar 2013 fand im französischen Antibes ein Europatreffen des Programms "Neue Auftraggeber" statt. 33 Kunstvermittler und Kuratoren trafen an der Côtes d'Azur zu einem Erfahrungsaustausch über Kunst und Partizipation im öffentlichen Raum zusammen. In dem von der Fondation de France initiierten Programm geht es vor allem darum, Bürger zu motivieren, neue Kunstprojekte anzustiften. Die in Antibes versammelten Fachleute sollen dabei als Mediatoren Künstler, Bürger und Fördergeber zusammenbringen.

Während der Konferenz, die in den Räumen der Fondation Hartung Bergman, dem ehemaligen Anwesen und Atelier der Maler Hans Hartung und Anna-Eva Bergman, stattfand, stellten Praktiker aus Frankreich, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Spanien Projekte vor, in denen internationale Künstler im Dialog mit Bürgern neue Werke entwickelt hatten. Dabei ging es nicht um "Auftragskunst" im klassischen Sinne, sondern um künstlerische Angebote an Politik und Gesellschaft. Häufig in ländlichen Regionen angesiedelt, erarbeiten die Partner gemeinsam künstlerische Werke als Antwort auf drängende Probleme der lokalen bürgerlichen Gemeinschaft. Meist entwickelt sich dabei erst im intensiven Zwiegespräch vor Ort der künstlerische Arbeitsansatz, mit dem statt einer repräsentativen Skulptur ein Schulprojekt oder ein landschaftsgärtnernischer Eingriff entsteht. Gemeinsam ist den Projekten von "Neue Auftraggeber", dass Kunst direkt auf Bedürfnisse der Zivilgesellschaft bezogen wird, ohne ihre Autonomie einzubüßen.

Die Projektentwickler, die Kunstvereinen, Museen oder Galerien entstammen, machten in Antibes deutlich, dass sie ihre Arbeitsmethode nicht als Spezialinstrument für benachteiligte Regionen, sondern als echte Alternative zu einer immer massenwirksamer formulierten Kultur- und Museumspolitik betrachten. Der entscheidende Faktor, hieß es, sei Zeit. Ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Bürgern und Künstlern setze statt pädagogischer Vereinfachung eine detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung voraus. Kunstprojekte für eine Bürgergesellschaft im Wandel müssten ein Übersetzungshandwerk zwischen der komplexen Sprache zeitgenössischer Kunst und den Bedürfnissen einer medial beschleunigten Gesellschaft voraus. Am Ende sei die behutsame und nachhaltige Entwicklung der Projekte ein Gegenmodell zu einem Ausstellungsbetrieb, der sich häufig von den Ansprüchen und Erwartungen des Kunstbetriebs nicht lösen könne.

Der BKV Potsdam ist Partner des Projekts "Neue Auftraggeber" und arbeitet in Brandenburg an zwei Projekten des Programms.

Dienstag, 5. Februar 2013