I love Clark

27. Januar 2023 bis 2. April 2023
1989 war das Jahr in dem zwei Kulturen zusammenstießen: Der Alltag Ost und der Alltag West, in den unterschiedlichen Materialien und Formen, die die jeweiligen Leben prägten. Wer heute zurückblickt, sieht gerade bei den alltäglichen Gegenständen Überschneidungen, deren Design-Verwandtschaft unübersehbar ist: Rasierer, Küchenmixer, Schreibmaschinen. Während heute in der öffentlichen Wahrnehmung die Produkte der westlichen Welt über die östlichen dominieren, blieb dem Osten vor allem die Erinnerung an eine Objektwelt. Nach der Wende begann das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt, heute Museum Utopie und Alltag, unter der Beteiligung der Bürger*innen Gegenstände aus der DDR zu sammeln. Heute verfügt die Sammlung über mehr als 170.000 Objekte.
Künstler:  U5
Kurator:  Helene Romakin, Lea Schleiffenbaum
Ausstellungsort:  Freundschaftsinsel
Eröffnung:  Donnerstag, 26. Januar 2023 , 18:00
Das Künstlerkollektiv U5 hat auf Einladung der Kuratorinnen Helene Romakin und Lea Schleiffenbaum einen Blick in den ausgiebigen Bestand unternommen. Dabei ging es nicht darum, Zeitgeschichte neu zu vermessen, sondern über die Morphologie der Gegenstände und Produkte einen neuen Zugang zu vergangenen Realitäten zu ermöglichen. Die Morphologie interessiert sich für die Form eines Objekts im Gegensatz zu seinen funktionalen Eigenschaften. Wie spricht das Objekt diejenigen an, die es betrachten oder benutzen? Welche Bedeutungen trägt es? 

Mit I love Clark geht U5 auf eine Reise durch Assoziationen und Erinnerungen, in der die Überlagerung von Realitäten und Gegenwarten Raum für neue Interpretationen und Vernetzungen lässt. Eine Dia-Kiste mit dem Titel „Bilder der Antarktis“, in der das ehemalige Deutsche Zentralinstitut für Lehrmittel Berlin die 1976 eingerichtete Antarktis-Forschungsstation Georg-Forster dokumentierte, bildet für U5 einen zentralen Ausgangspunkt. Die 15.000 km von der Heimat entfernte Station bestand nach der Wende weiter und überlebte somit noch mehrere Jahre den Staat, von dem sie gegründet wurde. 

U5 durchmischen in der Ausstellung Sammlungsobjekte aus dem Bestand des Museums Utopie und Alltag mit eigenen Miniaturen, Skulpturen, Keramiken und nicht-deutschen Alltagsgegenständen. Dadurch lösen sie die DDR-Objekte aus ihrer historischen Zuordnung. Eine neue Videoarbeit greift zudem die diversen Erzählebenen der Objekte auf und schildert deren Hintergründe. Nicht zuletzt stellt U5 damit Fragen danach, wie alte Dialoge anders aufgegriffen werden können, welche Geschichten erzählt und welche vergessen werden und was von den Sehnsüchten der Jugend bleibt, außer einem Duft, tropfenden Kerzen, Eierlikör und Ozondaten.

Das Zürcher Künstlerkollektiv U5 wurde 2007 gegründet. U5 arbeitet in unterschiedlichen Medien und mit einer Agenda, die sich traditionellen Vorstellungen von individueller Urheberschaft widersetzt.

Helene Romakin ist Kulturwissenschaftlerin, freie Kuratorin und Autorin. Zurzeit schreibt sie ihre Doktorarbeit zu Anthropozän und Storytelling an der ETH Zürich.

Lea Schleiffenbaum ist Kunsthistorikerin und freie Kuratorin. Sie realisiert eigene Projekte und Ausstellungen im öffentlichen Raum, unter anderem für die Neuen Auftraggeber.

Kuratorinnenführung

Samstag, 4. März 2023, 16:00 Uhr

Die Ausstellung wird durch die Landeshauptstadt Potsdam gefördert und vom Museum für Utopie und Alltag, Beeskow und Eisenhüttenstadt, sowie ProHelvetia unterstützt. Wir danken ebenfalls herzlich Gabriele Fritzsche von Casino Parfüm Saxonia.

Gefördert durch die Landeshauptstadt Potsdam und Pro Helvetia in Kooperation mit dem Museum für Utopie und Alltag.